2010 alarmierendes Rekordjahr für Geiselnahme - IMB veröffentlicht Pirateriebericht© Bundeswehr/PizDjibouti
2010 alarmierendes Rekordjahr für Geiselnahme
IMB veröffentlicht Pirateriebericht

LONDON – In 2010 entführten Piraten insgesamt 53 Schiffe, nahmen 1.181 Seeleute als Geiseln und töteten acht. Seit Beginn der routinemäßigen Beobachtung der Piraterie wurden keine höheren Zahlen registriert, gab das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) der Internationalen Handelskammer (ICC) heute in seinem globalen Pirateriebericht für 2010 bekannt.

„Der Anteil der Piraterie auf hoher See an den globalen Vorfällen hat gegenüber dem Anteil bewaffneter Raubüberfalle in Hoheitsgewässern dramatisch zugenommen“

Die Anzahl der Überfälle auf Schiffe sei in den letzen vier Jahren jährlich gestiegen, teilte das IMB mit. Schiffe hätten in 2010 445 Angriffe gemeldet, ein Anstieg um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Waren 2006 „nur“ 188 Geiseln genommen worden, so seien es 2009 bereits 1.050 gewesen. Mit 1.181 Geiseln in 2010 bewege sich die Zahl nun auf Rekordniveau. „Diese Zahlen zu Geiseln und entführten Schiffen sind die höchsten, die wir je gesehen haben“, sagte Kapitän Pottengal Mukundan, Direktor des IMB Piracy Reporting Centre in Kuala Lumpur, das die weltweiten Piraterievorfälle seit 1991 überwacht. „Die stetige Zunahme ist alarmierend.” „Der Anteil der Piraterie auf hoher See an den globalen Vorfällen hat gegenüber dem Anteil bewaffneter Raubüberfalle in Hoheitsgewässern dramatisch zugenommen“, so Kapitän Mukundan. „In der offenen See vor Somalia überwältigen schwerbewaffnete Piraten Hochseefischerboote und Handelsschiffe, um sie dann als Basis für weitere Angriffe zu nutzen. Sie nehmen die Besatzung gefangen und zwingen sie, in Angriffsentfernung zu anderen, ahnungslosen Schiffen zu segeln.“ Im vergangenen Jahr mündeten 92 Prozent der Schiffsüberfalle vor der Küste Somalias in Entführungen, teilt das IMB mit. Insgesamt wurden 49 Schiffe entführt und 1.016 Besatzungsmitglieder in Geiselhaft genommen. Ende Dezember 2010 befanden sich noch immer 28 Schiffe und 638 Geiseln in der Hand somalischer Piraten. Während die Anzahl der Angriffe vor der somalischen Küste hoch geblieben ist, hat sich die Zahl der Vorfälle im Golf von Aden mit 53 Angriffen in 2010 gegenüber 117 Vorfällen in 2009 mehr als halbiert. Dieser Rückgang erkläre sich aus den Abschreckungsmaßnahmen der Seestreitkräfte aus aller Welt, die das Gebiet seit 2008 überwachten, berichtet das IMB. Außerdem hätten die Schiffe verstärkt die Anti-Piraterie-Maßnahmen angewandt, die im Ratgeber Best Management Practices (BMP3) der Schifffahrtsindustrie und der Marine empfohlen werden. „Die Marineeinheiten vor dem Horn von Afrika verdienen unseren Beifall für die Verhinderung zahlreicher Piratenangriffe in dieser Region“, sagte Kapitän Mukundan. „Die andauernde Präsenz internationaler Flotten ist unerlässlich für den Schutz von Handelsschiffen entlang dieser wichtigen Verkehrsrouten. Doch die somalischen Piraten steuern immer weiter entfernte Ziele an. Im Dezember 2010 seien sie weit in den Süden bis zum Kanal von Mosambik gelangt; in östlicher Richtung hätten sie den 72. Grad östlicher Länge im Indischen Ozean erreicht. Damit deckten die Piraten ein nie dagewesenes Einsatzgebiet ab, betonte das IMB. Was muss getan werden, um den Anstieg der Piraterievorkommnisse auf hoher See zu stoppen? Für Kapitän Mukundan liegt die Antwort vor allem auf dem Festland, genauer in Süd-Zentral-Somalia. “Die Menschen dort brauchen dringend eine stabile Infrastruktur”, sagte er. „Regierungen und die Vereinten Nationen müssen Mittel für den Aufbau eines leistungsfähigen Verwaltungssystems bereitstellen. Nur so lässt sich verhindern, dass Kriminelle das durch lange Jahre gescheiterter Lokalpolitik entstandene Machtvakuum ausnutzen. Alle Aktivitäten, die derzeit auf See gegen die Piraten laufen, werden untergraben durch das Fehlen zuständiger Behörden in Somalia, wo die Piraten ihre Jagd beginnen und wohin sie mit Beute zurückkehren.“ Das zum International Maritime Bureau gehörende Piracy Reporting Center (PRC) ist die weltweit einzige Einrichtung, die rund um die Uhr Berichte über Piraterievorfälle erhält. Das Center stellt Pirateriereporte zusammen, veröffentlicht aktuelle Warnungen, steht Schiffen, die überfallen werden, mit Hinweisen zur Seite und koordiniert medizinische Hilfe und Unterstützung durch die zuständigen lokalen Behörden. Das IMB appelliert eindringlich an Kapitäne und Schiffseigner, alle tatsächlichen und versuchten Angriffe sowie verdächtige Vorfälle an das PRC zu melden. Weitere Informationen: www.iccwbo.org



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Samstag, 25. Februar 2017


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18. Januar '11 um 15:32 Uhr (CET).


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