Afghan-German-Management College (AGMC) - Afghanistanveteranen bilden Afghanen aus
Afghan-German-Management College (AGMC)
Afghanistanveteranen bilden Afghanen aus
Als am 28.1. in London über die afghanische Zukunft entschieden wurde, haben Bastian Kuhl, Sascha Hertel, Ronny Rose und Thomas Brackmann genau hingesehen. Als ISAF-Soldaten erlebten sie die katastrophalen Bedingungen im Einsatzland hautnah, vor allem im Bildungsbereich. Zurück in der Heimat gründeten sie eine Fernhochschule, um jungen Afghanen mehr Bildung zu ermöglichen.

Die Bildungssituation in dem durch mehr als 30 Jahre Krieg und Gewalt gebeutelten Afghanistan ist verheerend. Bis vor wenigen Jahren gab es nur wenige Grundschulen in Afghanistan. Viele vor allem ältere Afghanen können heute weder lesen oder schreiben. Neben der stabilen Sicherheit bedarf es demnach einer breiten fundierten Ausbildung. Hierzu gehört die Vermittlung von Managementwissen mit betriebwirtschaftlichen Grundlagen. Dies wurde auch den vier einsatzerfahrenen Männern bewusst, als sie während ihrer Bundeswehrzeit in Kunduz, Kabul und Mazar-e Sharif stationiert waren.

Privates Engagement, das hilft

Sie gründeten als Privatinitiative bereits 2006 das Afghan-German-Management College (AGMC), eine Fernuniversität mit Vorlesungen im Internet. Da ihre Studenten vor allem bei NGO´s arbeiten und Internetcafes sich immer weiter verbreiten, können sie halbwegs auf eine solide Infrastruktur zurückgreifen. Dadurch erreicht das College nicht nur die Großstädte, sondern auch verwinkelte Regionen. Der Wissensdurst der Afghanen ist riesig, aber in vielen Fällen leider unerfüllt.

Die Dozenten des AGMC sind Deutsche, die ehrenamtlich arbeiten und ihr eigenes Berufs- und Studienwissen einbringen. Die AGMC-Dozenten arbeiten mehrere Stunden in der Woche fürs College, meist am Wochenende oder in den Abendstunden. Durch die ehrenamtliche Tätigkeit lassen sich die Studiengebühren auf 60 US-Dollar minimieren. Sie dienen vor allem dazu, die afghanischen Mitarbeiter vor Ort fair zu finanzieren und so auch Arbeitsplätze zu schaffen. Mittlerweile kommen Dozenten in Deutschland hinzu, die weder in Afghanistan noch bei der Bundeswehr waren. „Die Idee der nicht-militärischen Aufbauhilfe überzeugte sie“, erklärt Thomas Brackmann, der selbst vier Mal im Land am Hindukusch war.

Mit zwölf Studenten fing es an

„Am Anfang hatten wir nur den Willen zu helfen. Wir wussten nicht, ob es funktioniert und haben einfach begonnen“, meint Brackmann. Da wo Andere lange diskutieren und Pläne schmieden, haben die damaligen Offiziere gehandelt. 2006 schrieben sich zunächst zwölf Studenten ein. Von diesen erstem Dutzend sind 2010 noch acht dabei und werden Ende 2010 ihr Studium abschließen. „Wir sind gespannt, wie der Arbeitsmarkt sie dann annehmen wird“, sagt Brackmann. „Schon jetzt unterstützen die NGO´s, bei denen unsere Studenten arbeiten, das Studium. Sie bezahlen teilweise die Studiengebühren“, ergänzt der 32-Jährige.

Per E-Learning Aufbauhilfe leisten

Die Vorlesungen sind englische Powerpoint-Dateien und die Studenten finden sich im Internet zu Arbeitsgruppen zusammen. In Deutschland stehen die Dozenten übers Internet als Tutoren zur Verfügung. Auch wenn sich viele der Beteiligten noch nie gesehen haben, ist so doch ein sehr enges Netz der Zusammenarbeit entstanden.

Anerkennung durch die afghanische
Regierung steht noch aus


Nicht nur die Studenten sind dankbar und erkennen die Unterstützung aus dem Ausland an. So zeichneten die Vereinten Nationen 2007 und 2009 das College aus und nahmen es als offizielles Projekt der UNESCO auf. Heide Consentius vom Nationalkomitee „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ schrieb in der Begründung 2007: „Die Auszeichnung als offizielles Dekadeprojekt ist eine symbolische Anerkennung Ihrer engagierten Tätigkeiten im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung.“ Ein Jahr später folgte die „TOP 25 Karrieren Handelsblatt“ Auszeichnung für den Präsidenten des College, Bastian Kuhl, – als einzigen Kandidaten eines Non-Profit-Unternehmens.
Doch die Anerkennung der Fern-Universität durch das afghanische Bildungsministerium steht noch aus. Dazu müsste Kuhl die Führung an einen afghanischen Direktor abgeben, ein Stück Land kaufen und dort ein Gebäude besitzen. Mit den bescheidenen finanziellen Mitteln ist das nicht zu verwirklichen. Um die Grundlage für die Akkreditierung zu schaffen, will eine Abordnung noch in diesem Jahr nach Afghanistan reisen.

Ausbau in der Zukunft

Für 2010 plant das AGMC noch weiter zu wachsen. Damit das Projekt ausgebaut werden kann, bedarf es jedoch finanzieller Unterstützung. Einzelne Förderer haben sich bereits engagiert. So unterstützte IBM das Projekt mit der Installation und Entwicklung einer neuen Lernplattform und einer Geldspende. „Ebenso konnten wir erste Stipendien für Frauen vergeben, weitere Förderer haben sich bereits angekündigt“, erzählt Brackmann, der für die Pressearbeit und das Fundraising zuständig ist.
Gerne würde das College noch mehr Stipendien anbieten, um auch den Ärmsten eine Chance zu geben. Ebenso sollen auch feste Stellen in Deutschland geschaffen werden. „Dies geht leider nur mit Hilfe der Wirtschaft oder von Hilfsorganisationen. Daher müssen wir die Arbeit im Bereich Sponsorensuche intensivieren“, so Brackmann.


Weitere Informationen unter: www.afgemaco.com

Foto: www.afgemaco.com


Kommentieren Sie diesen Artikel
 
 
Mittwoch, 29. März 2017


Diese Webseite teilen
mit AddThis





Immer informiert
Folgen Sie uns!
Folgen Sie IMS auf Twitter  Werden Sie Fan von IMS auf Facebook  Abonnieren Sie kostenlos unseren RSS-Feed


Mehr Informationen
zum gewählten Artikel
Online veröffentlicht am
01. Februar '10 um 20:05 Uhr (CET).


Sascha Rahn

Sascha Rahn ist leitender Redakteur.

Kontaktieren Sie den Autor.


Dieser Artikel umfasst 821 Wörter und wurde noch nicht kommentiert.

Kommentieren Sie diesen Artikel


Twitter
Die letzten 3 Tweets


    Aktuelle Ausgabe
    Nr. 2, 2011
    Mit Sicherheit vernetzt - Social / Military Media - Nr. 2, 2011

    Mit Sicherheit vernetzt
    Social / Military Media

    → Inhaltsverzeichnis


    Facebook
    Werden Sie Fan von uns
    Redakteur-Login

    PhishMEDIA
    • Anzeige

    • Unsere Partner