Die Londoner Afghanistankonferenz - Das Ringen um Sicherheit am Hindukusch© IMS
Die Londoner Afghanistankonferenz
Das Ringen um Sicherheit am Hindukusch
Von Stefan Müchler

„Afghanistan: The London Conference“ brachte ein umfängliches Abschlusskommuniqué, aber wird es reichen, das kriegs- und terrorgebeutelte Land zu befrieden?

London, eine Stadt, die schon mehrfach vom Terror heimgesucht wurde, verwandelte sich in den letzten Tagen in eine Festung. Rings um den Green-Park und entlang der vom Buckingham Palace Richtung Parlament wegführenden „Mall“ waren Bürgersteige und Zufahrtsstraßen weiträumig abgesperrt: Reiterstaffeln, Schnüffelhunde und intensive Fahrzeugkontrollen bestimmten das Bild. Über dem Tagungsort - dem Lancaster House - kreisten immer wieder Helikopter, während tausende Polizisten am Boden die Sicherheit der über 70 Delegationen garantierten. Erst wenige Tage zuvor hatten die britischen Behörden die Terrorwarnstufe auf das zweithöchste Level angehoben.


Es herrschten höchste Sicherheitsvorkehrungen

Zu groß schien die Gefahr zu sein, dass die am 28. Januar in London stattfindende Afghanistan-Konferenz als Zielscheibe für Terroranschläge dienen könnte. Die Aufmerksamkeit der Weltpresse wäre potentiellen Attentätern gewiss gewesen.

Die hohe Sicherheitsstufe hatte auch Auswirkungen auf die Berichterstatter, da das Pressezentrum Teil der Sperrzone war. Unmittelbar nach Verlassen der sich im Umbau befindlichen U-Bahn Station „Green Park“ fielen die starke Polizeipräsenz und die weiträumigen Absperrungen auf. Rund um das Lancaster House und das sich im Park daneben befindliche Pressezentrum wurde durch mehrere Zäune, Postenketten und schwer bewachte Zugänge ein weitläufiger Sperrgürtel angelegt. Nur mit zuvor erfolgter und erfolgreicher Akkreditierung und dem Zeigen der Ausweisdokumente wurde man in das erste Zelt vorgelassen, wo die Dokumente erneut geprüft wurden. An einer weiteren Station wurden die Sicherheitsausweise für die Medien bereitgehalten und nach einer nochmaligen Kontrolle erwartete die Journalisten eine Zugangsschleuse, ähnlich der an Flughäfen.

Beamte der Metropolitan Police in schusssicheren Westen durchleuchteten und inspizierten jedes Gepäckstück genauestens und überprüften hin und wieder sogar auf anhaftende Sprengstoffspuren. Zusätzliche Polizisten sicherten den Bereich mit Maschinenpistolen. Man konnte fast meinen, die Konferenz fände nicht an der Themse sondern in Kabul selbst statt.

Berittene Polizei vor dem Pressezentrum


Nach erfolgten Sicherheitsüberprüfungen führte der Weg in ein weiteres Zelt, an dessen Eingang die Badges nochmals überprüft wurden. Das Pressezentrum selbst war ein gewaltiges Zelt mit separaten Büros, riesigen Stand-Up Positionen für Liveberichterstattung, Interviews und die Produktion von Aufsagen, sowie weiteren Arbeitsplätzen für 300 Journalisten; lange Reihen von Tischen mit Telefonen, Netzwerkanschlüssen und roten Schirmlampen.

Rote Lampen und drückende Enge im Pressezelt


Bei gut 700 angereisten Kollegen aus 70 Staaten kam es hier unweigerlich zu einem gewaltigen Gedränge, so dass auch jede verfügbare Freifläche auf dem Boden genutzt werden musste. Immer wieder kamen Minister und Delegationsmitglieder aus dem benachbarten Lancaster House für kurze Statements und Interviews ins Pressezentrum, wo jedes Mal ein Kampf um das beste Bild und einen möglichst exklusiven O-Ton begann.

Doch gab es hier wirklich viel Neues zu berichten? Waren es nicht eher Durchhalteparolen und das Wissen, dass es nicht wie bisher weiter gehen könne, das am Ende der Konferenz stand?

Ein Erfolg der Konferenz war sicherlich die breit aufgestellte Teilnahme von Delegationen aus 68 Staaten von Albanien bis Usbekistan und weiteren Organisationen wie der EU, des IWF, der NATO, der Vereinten Nationen und der Weltbank. Nur Iran blieb der Konferenz ohne Abmeldung fern, was der britische Außenminister David Miliband scharf kritisierte. Iran sei wie jedes andere Land eingeladen worden, und es sei „unerklärlich“, warum Außenminister Manochehr Mottaki nicht erschienen sei, oder zumindest an seiner Stelle den Londoner Botschafter geschickt hätte, so Miliband.

Widmete sich den Frauenrechten: US-Außenministerin Hilary Clinton


Die Abschlusspressekonferenz begann fast eine halbe Stunde früher als geplant, was für eine Konferenz mit einer derart kontroversen und hochkomplexen Thematik sicherlich ungewöhnlich ist. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass das zuvor erstellte Kommuniqué unter dem Titel „Afghan Leadership, Regional Cooperation , International Partnership“ allem Anschein nach bereits im Vorfeld die wesentlichen Fragen geklärt hatte. So traten Kai Eide, UN-Sonderbeauftragter für Afghanistan, Rangin Spanta, bis 18. Januar 2010 afghanischer Außenminister und nun Berater Hamid Karzais und David Miliband sichtlich gut gelaunt vor die Presse und erklärten sich mit dem Abschluss der Konferenz hochzufrieden. „Wir sind bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen“, erklärte Spanta, der die Londoner Zusammenkunft als Meilenstein für sein Volk und Land bezeichnete, „in drei Jahren für Teile des Landes und in fünf Jahren für ganz Afghanistan.“ Auch Eide und Miliband sprachen die afghanische Eigenverantwortung für die Sicherheit des Landes immer wieder an. Besonders wichtig sei hierbei aber die Einhaltung der afghanischen Verfassung, erklärte Miliband, der damit in vollem Einvernehmen mit Hamid Karzai stehe. Die Einhaltung von Menschenrechten und Meinungsfreiheit stelle eine rote Linie dar, die nicht überschritten werden dürfe, so Eide, und die selbstverständlich auch für die „andere Hälfte der Bevölkerung“, also Frauen, gelten müsse.

Auch Hilary Clinton, Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika, sprach auf ihrer eigenen nachfolgenden Pressekonferenz die Frauenrechte und den „woman action plan“ an. Ebenso wichtig war für sie aber auch die Umsetzung des Plans, die „Fußsoldaten“ von den Taliban zu lösen. „Sie müssen wir beschützen und ihnen eine Alternative bieten“, so Clinton.

Fotos: Stefan Müchler

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Samstag, 29. April 2017


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Online veröffentlicht am
29. Januar '10 um 20:20 Uhr (CET).


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